Ramana, Upadesa Saram - die Essenz des Weges (the direct path)

1. Die Früchte einer Handlung entfalten sich entsprechend den Gesetzen des Schöpfers (Shiva /isvara). Ist Karma, Handlung, dann göttlich - absolut - nein, sie ist unbewusst, un-wesentlich (sanskrit: jada).

2. Die Früchte einer Handlung sind vergänglich und bewirken den Fall in den Ozean karmischer Handlungsflut, sie blockieren spirituelle Entfaltung.

3. Handlungen, die jenseits des persönlichen Wünschens sind und deren Früchte Gott gewidmet sind, reinigen den Geist (mind) und führen zur Befreiung.

4. Rituelles Beten, das Wiederholen heiliger Namen (mantren) und Meditation werden mit dem Körper, dem Geist (mind) und der Stimme ausgeführt und erhellen sich gegenseitig.

5. Gebete, die sich an das Göttliche in seiner acht-fachen Gestalt richten (Shiva als Wasser, Feuer, Sonne und Mond, Äther, Erde und Luft, Licht) und so diese Formen der Schöpfung verstehen, dienen dem, was manifest ist.

6. Stille Meditation im Geist (mind) ist höher einzuschätzen als die tiefste Form der Hingabe im Gebet oder als die heiligen Namen zu singen, sei es laut oder leise

7. Ununterbrochene Meditation (als beständige Ausrichtung, Anm. d. Übers.) - die dem Fliessen des Wassers oder dem Fliessen des Öls gleicht, ist besser als unterbrochene...

8. Meditation, die auf der Einheit (Identität) von Ich und Gott beruht (Ich bin "Es") ist reinigender als Meditationsformen, die auf der Dualität (von Ich und Gottheit) beruhen
(z.B „Oh. Arunachala, Du...“.).

9. Die vollkommendste Form der Hingabe ist die Verankerung im wahren Sein - sie entsteht durch die Kraft der Meditation, die Gedanken - leer ist.

10. Den Geist (mind) in seiner Quelle im Herzen zu verankern, ist wahre Hingabe (bhakti), Einheit (Yoga) und Wissen.

11.Der Verstand (mind) kann durch Atmung reguliert und beruhigt werden - dies ist eine Möglichkeit der Verstandeskontrolle.

12.Geist (mind) und Atem (prana), die sich in Gedankenformen (Bewusstsein) und Handlung ausdrücken, sind nur zwei Aspekte einer einheitichen Grundkraft (wenn der eine still wird - wird der andere auch still - und setzt moksha (Befreiung) frei).

13. Es gibt zwei Möglichkeiten, den Verstand zu beruhigen, die eine dadurch, dass er still wird (laya), die andere (nasa) löscht ihn aus - wenn er nur gestillt ist, taucht er wieder auf.

14. Wenn der Verstand durch Atemkontrolle beruhigt wird, kann er durch die beständige Ausrichtung auf das Selbst ausgelöscht werden.

15. Was gibt es für einen Verwirklichten, der den mind ausgelöscht hat und der in seiner eigenen wahren Natur verbleibt, noch zu tun?

16. Wenn das Bewusstesein (mind) sich von den (äusseren) Objekten abwendet und auf seine Quelle, auf das Selbst gerichtet bleibt, entsteht Selbst-gewahrsein, die wahre Sicht der Wirklichkeit.

17. Fragt man – was ist Geist (mind) – dann wird deutlich, dass dieser keine Realität an sich hat - dies ist der direkte Weg.

18. Der mind ist nur eine Ansammlung von Gedanken – alle diese Gedanken können auf den Ich-Gedanken zurückgeführt werden - insofern ist der sogenannte mind (Verstand) der Ich-Gedanke.

19. Woher kommt dieser Ich-Gedanke? Wenn man sich fragt, woher kommt dieses Ich, verschwindet es - dies ist die Methode der Selbst-erforschung (atma vichara).

20. Wenn dieses Ich in der Quelle verschwindet, entspringt spontan und ununterbrochen ein Ich - Ich - dies ist das Herz, in seiner Unendlichkeit als höchstes Wesen, als das Eine.

21. Dieses un-unterbrochene Ich - Ich erweist sich als das wahre Ich, das Herz, das.Selbst, denn es hat auch dann Bestand, wenn das Ego-Ich erlischt.

22. Dieses wahre Ich - die EINE Wirklichkeit, ist nicht der Körper, nicht die Sinne, der Verstand (mind), noch Atem oder Nicht-Wissen - all diese sind un-wesentlich.

23. Da ist nur Ein Sein, das Wirklichkeit hat, und dieses Eine SEIN ist in sich selbst Realität und ist in sich selbst Bewusstsein.

24. Beide, Schöpfer und Geschöpf sind in ihrer Essenz Eine Wirklichkeit. Ihre offensichtliche Verschiedenheit geht einzig und allein auf Unterschiede in Form und Bewusstheitsebenen zurück.

25. Wenn das Geschöpf seine illusionäre individuelle Form aufgibt und sich selbst als eigenschafts-los erkennt, so erfährt es den Schöpfer als sein eigenes wahres SELBST.

26. Das SELBST zu SEIN heisst, das Selbst zu erkennen - denn da ist nur ein Selbst und nicht zwei. Dieses, das SELBST zu SEIN und zu erkennen, heisst, in der Wirklichkeit zu wohnen.

27.Dieses Wissen in jenseits dessen, was wir als Wissen oder Nicht-Wissen ansehen - denn was müsste im Zustand des Ununterschiedenseins noch erkannt werden.

28. Wenn das eigene wahre SELBST erkannt ist, gibt es weder Tod noch Geburt, sondern ewiges SEIN, Bewusstsein und Glückseligkeit (bliss).

29. Derjenige, der im höchsten Zustand der Glückseligkeit verweilt - jenseits aller begrenzenden Gedankenformen - jenseits des Friedens, ist in wirklicher Hingabe an Gott.

30. Wenn das individuelle Ich verschwunden ist und das wirkliche Ich-Ich gefunden wurde, dann ist das eine ausgezeichnete Form der Übung (tapas)

so spricht Ramana

 


(Übersetzung: Renate Busam - auf der vergleichenden Grundlage von Sri Maharshi´s way - a translation and commentary on Upadesa Saram

hrsg. von D. M. Sastri - Sri Ramanasramam 1999 und einem kleinen Büchlein des Ramana Maharshi center for learning, Bangalore: The Direct Path - hrsg.von A. R. Natarajan, 2004)